Initiative der Arbeitsagentur

Verwirrende Informationen aus den Medien stießen bei vielen Beteiligten auf relatives Unverständnis. Deshalb ist eine Aufklärung über die Sachlage dringend nötig: Im Spätsommer des vorigen Jahres startete die Arbeitsagentur ihre Kampagne “Arbeitslose in den Pflegedienst”. Die Medien nahmen sich dieses Themas an und stifteten eventuell teilweise mehr Verwirrung, als sie zur Aufklärung beitrugen. In dieser recht sensiblen Thematik sind viele Verantwortliche angesprochen, das Für und Wider abzuwägen. Es geht um keine geringere Frage, als:

Wie geht eine Gesellschaft mit den Kranken und Gebrechlichen aus dieser Gesellschaft um?

Dass diese Frage oft nicht unbedingt befriedigend gelöst ist, wissen die Angehörigen von Betroffenen nur allzu gut. Dennoch sollte die Meinungs des KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe – Wilhelmine Lübke Stiftung e.V.) zumindest überdacht und nach positiven Ansätzen durchleuchtet werden. Denn Peter Michell-Auli, KDA Geschäftsführer, meinte: Erst müssten konkrete Richtlinien für die Realisierung dieser Pläne erarbeitet werden. Das bedeutet: Ein Anforderungsprofil für derartig einzusetzende Hilfskräfte wäre notwendig.

Der GKV Spitzenverband erarbeitete besagte Richtlinien, leider wurden diese vom Bundesgesundheitsministerium bisher nicht bestätigt. Der Apparat der Bundesagentur für Arbeit machte seinem Ruf als reiner Verwaltungsbetrieb alle Ehre: Weder arbeitete jemand aus der Agentur an den Schwerpunkten dieses Anforderungsprofils mit, noch überprüfte die Bundesagentur für Arbeit, inwieweit bereits bestehende Richtlinien für eine sofortige praktische Umsetzung dieser Initiative genutzt werden könnten.

Einmal mehr  bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass es sich um eine Pseudo-Initiative zu handeln scheint. Die Arbeitsagentur wolle nun diese vom Ministerium noch nicht bestätigten Inhalte der Richtlinien in die Praxis umsetzen, indem sie geeignete Qualifizierungsmaßnahmen anbieten wolle.

Klaus Schäfer von der Ärztekammer Hamburg fand passende Worte, die sicherlich die Meinung vieler Betroffener bündeln: Es ist “…ein Schlag ins Gesicht für alle diejenigen, die den Pflegeberuf aus Überzeugung … ausüben … Das ist eine gesundheits- und keine arbeitsmarktpolitische Diskussion.” Gerade die zweite Aussage trifft die Problematik punktgenau: Die Regierung kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen, indem sie mit geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen an der Problematik arbeitet. Fast schleicht sich das Gefühl ein, hier sollen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: “Bekämpfung” der Arbeitslosigkeit und “Verbesserung” der Pflegeleistungen bei Demenzkranken.

Nun prüfen die Arbeitsagenturen, welche Arbeitslosen bereits Kenntnisse im Pflegebereich haben. Man kommt an folgender Frage nicht vorbei: Weshalb gibt es so viele arbeitslose Altenpfleger/innen? Es wird wohl doch eher an den Kosten für die Pflegestelle liegen, als an irgendwelchen neu zu erarbeitenden Richtlinien.

Eine engagierte Arbeit im bereich Demenzkranker kann mit der notwendigen Kompetenz und Sorgfalt nur von entsprechenden Fachkräften ausgeführt werden. Die Vorstellungen der Arbeitsagentur, dass die Hilfskräfte den Demenzkranken vorlesen, mit ihnen Zeit verbringen, sich unterhalten oder spazierengehen, scheint recht blauäugig. Denn wer bezahlt derartige Hilfskräfte? Weshalb wurde in den letzten Jahren der Personalstand in Pflegeheimen kontinuierlich reduziert? Um jetzt Arbeitsmarktinitiativen zu entwickeln, damit arbeitsloses Pflegepersonal als Hilfskraft eingesetzt werden kann?

Allen Arbeitslosen – und Berufstätigen – die tatsächlich helfen wollen, sei gesagt: Es gibt genügend Angebote; etwa die der Agentur Ehrenamt, die seit Jahren engagierte Hilfe jederzeit annimmt. Das Vorlesen und einfach “nur” da sein stehen im Mittelpunkt. Es gibt hier schon viel persönliches Engagement, auch ohne Richtlinien und Vorschriften.


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